Dürresommer – was tun?

Auf diese Frage suchten im Rahmen eines öffentlichen Themenabends unseres Ortsverbandes am 26. November 2019 mehr als 70 Gäste und Experten aus den Bereichen Forst-, Land-, Wasserwirtschaft sowie Feuerwehr und Politik nach Antworten.

Dabei wurde klar: Die Handlungsmöglichkeiten sind begrenzt, Kosten und Aufwand schnellen schon jetzt in die Höhe. „Wenn der Klimawandel das Wendland zur Steppe machen will, dann wird es eine Steppe werden“, so brachte es Gerald Nickel vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft auf den Punkt.

Trinkwasservorräte noch sicher
Die Trinkwasservorräte im Landkreis seien zwar bislang nicht gefährdet, aber die Beregnung der Ackerflächen müsse man in Zukunft noch genauer fachlich begleiten, damit dadurch keine Schäden an Bächen und Ökosystemen entstehen. Der Umstieg auf wassersparende Bewässerungsmöglichkeiten und verstärkte Wasserrückhaltung, wie sie derzeit in vielen Projekten angedacht werde, sei nötig. Das Austrocknen von Bächen, wie es in der Dürreperiode vielfach aufgetreten ist, verursache langfristige und irreparable Schäden an den Bachökosystemen.

140 Jahre alte Buchen  gestorben
Dr. Uwe Barge, Leiter des Forstamts Göhrde legte eindrucksvoll dar, wie die Abfolge eines nassen Sommers 2017 und einer langen Dürreperiode von Frühjahr 2018 bis Herbst 2019 den Bäumen im Wald zugesetzt hat. „Die Trockenheit ist bis in Tiefen von 2m in die Böden vorgedrungen und hält dort zum Teil noch immer an“, zeigte er anhand von Messdaten des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung auf. Nicht nur Fichten, sondern selbst 140 Jahre alte Buchen seien diesen Wetterextremen zahlreich zum Opfer gefallen. Jetzt einfach auf Bäume aus dem Mittelmeerraum umzusteigen sei leider keine Lösung, denn diese fingen für unsere Breitengrade zu früh an, auszutreiben und könnten dann leicht durch späte Fröste geschädigt werden. Miriam Staudte, agrarpolitische Sprecherin der Grünen im niedersächsischen Landtag ergänzte, dass auch der Import afrikanischer Bäume nach Deutschland keine Option sei: „Völlig fremde Baumarten bieten dem Großteil unserer Insektenwelt keinen Lebensraum“, so Staudte.

Landwirte unter Druck
Robert Rippke, studierter Nachwuchslandwirt aus Kähmen und Vertreter des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, berichtete von den großen Schwierigkeiten, die der Klimawandel ihm und anderen Landwirten in den vergangenen drei Jahren bereitet hat. Die Ernteausfälle hätten in manchen Fällen bei 80% gelegen. „Für mich war das ein harter Start in die Selbständigkeit als Landwirt“, so Rippke. Und die Zukunft sei ungewiss. Miriam Staudte sieht in einer größeren Bandbreite an Feldfrüchten eine Möglichkeit das Risiko von Ernteausfällen zu streuenAuch der Humusaufbau sei angesichts des Klimawandels wichtig, um Feuchtigkeit im Boden zu halten und CO2 zu binden.

Nach den Fluten kam das Feuer
Als sehr turbulent beschrieb auch Kreisbrandmeister Claus Bauck die letzten drei Jahre. „Erst hatten wir 2017 alle Hände voll zu tun, Deiche zu sichern und vollgelaufene Keller auszupumpen, dann mussten wir in 2018 und 2019 dauernd ausrücken, um Waldbrände zu löschen“, berichtete er. Während der Dürremonate seien manche Hydranten trockengefallen, was die Löscharbeiten erschwerte. Während die Einsätze zunehmen, hat die Feuerwehr im Landkreis mit einem starken Rückgang an Freiwilligen zu kämpfen. Bauck forderte das Publikum deshalb eindringlich auf, sich bei der Freiwilligen Feuerwehr zu engagieren, denn in den letzten Jahren ist die Zahl der Aktiven dort um ein Viertel gesunken. „Wir brauchen jede Hand“, so Bauck.

Konstruktiver Austausch
Von allen positiv aufgenommen wurde an diesem Abend die konstruktive Diskussion über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg. Der Klimawandel bedroht alle und lässt die Menschen – dieser Eindruck entstand zumindest an diesem Abend – zusammenrücken. Zahlreiche Landwirte waren unter den Besuchern, trotz der parallel am selben Tag laufenden Großdemonstration der Bauern in Berlin. Auch lobten die Besucher die Fachkompetenz der Experten auf dem Podium, von denen sie wichtige Informationen aus erster Hand erhalten hätten.

Der Ortverband Elbtalaue kündigte an, den Bürgerdialog zum Klimawandel in weiteren Veranstaltungen fortsetzen zu wollen.

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